Sommer auf der Großmutterinsel — Ivna Žic

Ein Buch, das man in einem Zug lesen sollte, auf einer Fahrt, die lange dauert, vor einem Fenster, an dem der Sommer vorbeirauscht:

Die Nachkommende heißt der Debütroman der in Zagreb geborenen und in Zürich aufgewachsenen Theaterregisseurin und Autorin Ivna Žic. Auch ihre Protagonistin sitzt in einem Zug, fährt von Paris nach Zagreb, um von dort weiter zu reisen auf die Insel, auf der ihre Großmutter jeden Sommer verbringt, die Familie wartet schon.

Aber kommt die junge Frau überhaupt an?

Die Erzählerin bleibt in Zagreb hängen – und in ihren Gedanken. An ihren toten Großvater und an ihren vergebenen Geliebten. An eine verschwommene Vergangenheit und an eine vage Zukunft.

Das Buch wird zu einer Reflexion über ein Leben in Europa zwischen Auswandern und Ankommen, Zurückblicken und Nachvornschauen. Die Sprache scheint atemlos, wenige Punkte, viele Kommata, die Sätze gehen gerne über eine ganze Seite. Und regen zum Nachdenken an.

Wie diese Fragen, die mich ein wenig an den berühmten Fragebogen von Max Frisch erinnern:

Warum sind Sie gerade hier und nicht anderswo?

Warten Sie auf etwas?

Oder jemanden?

Wer ist Ihnen nahe?

Und wer weit weg?

Was oder wer fehlt Ihnen?

Haben Sie Zeit?

Was lesen Sie gerade?

Hassen Sie?

Und wenn ja, wie?

Wer entscheidet?

Aus: „Die Nachkommende“ von Ivna Žic

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