Drei Fragen (12): Eneja

Eneja und mich hat eine höhere Macht zusammengeführt – oder vielleicht auch nur das Café, in dem sie arbeitet. In jedem Fall hat alles perfekt gepasst. Eneja hat Orangen und Zitronen für mich ausgepresst und gefragt, woher ich komme. Ein paar Minuten später waren wir zum Yoga verabredet.

Dabei war es Glück, dass wir uns überhaupt getroffen haben: Eneja ist erst seit ein paar Wochen zurück in Rijeka – davor hat sie ein Jahr lang in einem Aschram in Belgien verbracht.

Ein Jahr, in dem es um Yoga und Meditation und die Philosophie dahinter ging. Ein Jahr, in dem Eneja um drei Uhr morgens aufstehen musste – der Stundenplan war streng. Als ich frage, ob das nicht alles sehr hart gewesen sei, sagt sie: It was hard, but everything that has value is hard.

Mich hat Eneja auch deswegen beeindruckt, weil sie so offen war. Weil sie mir einfach ihre Geschichte erzählt hat, als würden wir uns schon lange kennen.

Eneja ist 25, stammt aus dem Norden Kroatiens und hat Management in Rijeka studiert. Gerade macht sie eine Ausbildung zur Yoga-Lehrerin und arbeitet in einem vegetarischen Café (einem der wenigen in Rijeka). Seit vier Jahren praktiziert sie Yoga, sie sagt: Yoga helped me through my student years.

Am Anfang des Studiums, erzählt sie, sei alles noch gut gewesen, aber irgendwann habe sie gemerkt, dass ihr etwas fehlte: I felt like I wasn’t really expressing myself and didn’t have a purpose in life.

Eneja fing an, in spirituelleren Kreisen zu verkehren – und entdeckte Yoga: I practiced more and more, went to seminars, read a lot about the philosophy and also Sanskrit, my emotional state became more stabile. Today I feel strong to deal with the every day challenges of life.

Denn nicht nur Yoga, auch die Menschen, die sie dadurch kennen gelernt hat, hätten sie verändert, erzählt sie: They gave me tools to understand myself. They saw more in me, not just the body and the mind, also something higher, it was some part I felt I had but nobody before recognized.

Sie sagt: Everything else is okay when this side of me is fulfilled.

Sie sagt auch: Everybody has some traces from somewhere, for example that you write comes from somewhere, it’s a karmic thing.

Eneja raucht nicht mehr, sie trinkt keinen Alkohol. Viele ihrer alten Freundschaften, (die vielleicht gar keine waren?), hätten diese Veränderungen nicht überlebt, erzählt sie: But I met new people who lead the same life.

Wir treffen uns also in dem Yoga-Studio, in dem Eneja ihre Ausbildung macht. Ich bekomme eine Privatstunde – eine, in der ich ein paar neue Positionen lerne, obwohl ich selber seit acht Jahren Yoga mache.

Eneja sagt, sie verlangten in dem Studio kein Geld für den Unterricht, nur Spenden, denn Yoga solle für alle zugänglich sein.

Ich kann das kaum glauben, denke an die ganzen Luxus-Studios in Berlin, in dem eine Stunde schonmal 18 Euro kosten kann und Sport-BHs für 80 Euro verkauft werden …

Nach der Stunde trinken wir Tee in einem Café. Zeit für meine drei Fragen.

Wie würdest du jemanden, der noch nie Yoga gemacht hat, davon überzeugen, es mal auszuprobieren?

ENEJA: Ich würde sagen, dass es beim Yoga nicht nur um Körperhaltungen geht. Vielleicht gibt es welche, die sich nicht so sehr für die Positionen interessieren, aber für die Philosophie dahinter. Yoga ist nicht das, was die meisten Menschen denken, sondern viel mehr. Und das Schöne daran ist, dass für jeden etwas dabei ist, dass man jeden individuell erreichen kann. Der jeweilige Yogastil sollte einfach zur Person passen, niemand muss sich einem Stil anpassen.

Hier kann ich Eneja nur recht geben: In einem Kreuzberger Yogastudio musste ich einmal kopfüber in zwei dubiosen Gummischleifen hängen, angeleitet von einer unerbittlichen Lehrerin, die einer Domina glich. Ich bin nie wieder hingegangen.

Was ist für dich der schönste oder wichtigste Aspekt am Yoga?

ENEJA: Die Philosophie, Dinge bewusst zu machen und im Moment zu leben. Diese Haltung können wir in unseren Alltag übertragen. Wenn man das schafft, wird man gelassener, weil es einem das Gefühl gibt, alles wird schon mehr oder weniger werden, mit mir oder ohne mich. Die Perspektiven, die Yoga einem eröffnet, helfen auf so viele unterschiedliche Weisen.

Gibt es auch etwas, das dir nicht gefällt?

ENEJA: In diesen spirituellen Kreisen trifft man natürlich alle möglichen Leute und Gruppen, die unterschiedlicher nicht sein könnten, aber alle verbindet diese eine Sache: die Suche nach dem Sinn des Lebens. Und da trifft man schonmal seltsame Leute. Das kann lustig sein, aber auch traurig und frustrierend, zum Beispiel, wenn manche sich als große Gurus sehen und ihre Macht missbrauchen. Man muss lernen, wem man vertrauen kann. Ich habe tolle Menschen kennen gelernt, die ehrlich sind und keine versteckten Absichten haben, die einfach loyal und integer sind.

Die Teekannen sind längst leer, als wir immer noch reden. Ich frage, wo sie sich in ein paar Jahren sieht, ob sie hier bleiben will, und Eneja sagt noch einmal etwas, dem ich zustimme:

Rijeka has something, I feel good here. It is open-minded and warm. It has some charm!

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