Meine Katze Jugoslawien

Darf man Bücher kaufen, nur weil einem das Cover und der Titel gefallen? Ich sage: Aber klar! Und in dem Fall konnte ich natürlich nicht widerstehen:

Das Gute an dieser rein ästhetischen Entscheidung: Der Roman My Cat Yugoslavia von Pajtim Statovci ist so klug und komisch, so böse und zynisch, so traurig und versöhnlich, so verschlüsselt und direkt, dass ich sagen würde, ich bin da auf ein kleines Meisterwerk gestoßen.

Statovci, der 1990 geboren wurde, hat dafür jedenfalls völlig zurecht einen finnischen Literaturpreis für das beste Debüt bekommen. Der Roman erschien in Finnland schon 2014. Statovci war damals also gerade mal 24.

Moment, Finnland? Jugoslawien? Eine Katze?

Was ist da los?

Sagen wir so: auch eine Boa-Constrictor spielt eine Rolle in diesem Buch …

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Der Schnaps muss Bikini tragen

Also, was macht man als Stadtschreiberin die ganze Zeit?

Natürlich recherchieren!

Vorher habe ich einen Mietwagen ausgeliehen und festgestellt, dass die Mietwagenhändler in Rijeka freundliche und lustige Zeitgenossen sind.

Ich: Dober dan! I’m sorry, I don’t speak Croatian, I can only say hello, thank you and motherfucker.

Er: Wonderful! That’s all you need in this country!

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Fellini oder Ein Fisch namens Wanda

Wer sich fragt, was man als Stadtschreiberin eigentlich den ganzen Tag macht: jedenfalls nicht daran denken, Tickets für das Open Air Kino zu reservieren.

Jeden Mittwoch läuft hier im Juli ein Film von Federico Fellini, der in diesem Jahr 100 geworden wäre.

Selbstporträt: Oben Marcello Mastroianni, unten Stadtschreiberin
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Drei Fragen (3) – Iva Sušić

Eine Stadt ist nichts ohne ihre Bewohner — und ich befrage regelmäßig Menschen in Rijeka zu ihrem Leben hier. Einzige Regel der regelmäßigen Drei Fragen: Keine Frage taucht zweimal auf. Das Motto der Kulturhauptstadt lautet schließlich Hafen der Vielfalt.

Heute: Die 32-jährige Iva Sušić aus dem Rijeka2020-Team.

Ivas Arbeitsplatz kann man sich so vorstellen: Eine alte Fabrikhalle am Hafen mit improvisierten Büros, in denen Menschen sich um die Organisation des Kulturhauptstadtjahrs kümmern. Es sieht aus wie eine Mischung aus Start-Up, Off-Theater und Drogenumschlagplatz. Dazwischen: sehr viele, sehr freundliche Bürohunde.

Achtung Illustration! Dieses Bild erscheint bei Google, wenn man „freundlicher Bürohund“ eintippt (Quelle: HubSpot). Ich hätte besser die echten Rijeka2020-Hunde fotografieren sollen.
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Wer ist eigentlich Kamov?

Jedes Mal wenn ich vorbei laufe, erschrecke ich. Vor allem in der Dämmerung. Der beobachtet mich doch! Wie er da so lässig am Brückengeländer lehnt …

Aber da steht keiner, da steht nur ein Denkmal: für den Schriftsteller Janko Polić Kamov. Und der ist lange tot: 1886 geboren und schon 1910 gestorben. Mit 24 – unter mysteriösen Umständen in Barcelona. 

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Bis gleich, Rijeka!

Die Stadtschreiberei auf dem Trockenen ist vorbei – heute fliege ich nach Rijeka! Zwar nicht so hoch wie ein Astronaut, aber ich verabschiede mich aus dieser ersten Schreibphase trotzdem mit diesem ätherischen Gruß aus den Neunzigerjahren.

Damir Urban kommt aus Rijeka und Astronaut war mal ein Riesenhit. Der Song fiel mir in der Rijeka-Serie Novine auf. Ein bisschen pathetisch, ein bisschen melancholisch – passend zum Sommer. Der fängt heute nämlich auch an.

Ätherisch, melancholisch, pathetisch: Urban & 4 – Astronaut

Ich stelle mir lieber vor …

Wie schreibt man über eine Stadt, in der man noch nie war und in die man (erstmal) nicht fahren kann? Bilder googeln? Wikipedia durchsuchen? Bücher lesen? Habe ich natürlich längst gemacht. Aber das ist so leblos! Ich stelle mir lieber vor: Rijeka ist ein Mann, den ich im Internet kennenlerne.

R. und ich – Teil 5 (Finale)

Hier geht es zu Teil 1, Teil 2, Teil 3 und Teil 4

Dobar dan, A.!

Selber guten Tag. Du lebst also noch.

Tut mir leid, dass ich so lange nicht geantwortet habe, ich war verkatert.

Zwei Wochen lang?

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Aber auf den dritten Blick

Rijeka besticht nicht auf den ersten Blick, auch nicht auf den zweiten.

Aus: „Europa erlesen: Rijeka“
Anthologie zu Rijeka, erschienen im März 2020 im Wieser-Verlag

Diese hübsche Anthologie dreht sich rund um Rijeka und zeichnet nicht immer ein schmeichelhaftes Bild von der Stadt. Aber die Worte der Herausgeber gehen natürlich weiter:

Rijeka besticht nicht auf den ersten Blick, auch nicht auf den zweiten. Doch wer tiefer blickt und in die Geschichte der Stadt eintaucht, dem tut sich ein erstaunlicher Mikrokosmos auf.

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Drei Fragen (2) – Damir Steinfl

Eine Stadt ist nichts ohne ihre Bewohner — und ich möchte von den Menschen in Rijeka wissen: Lesen sie Bücher zu Ende, die ihnen nicht gefallen? In welchem Restaurant gehen sie mit ihrer Mutter essen? Und wo würden sie in Rijeka jemanden küssen? Einzige Regel der regelmäßigen Drei Fragen: Keine Frage taucht zweimal auf. Das Motto der Kulturhauptstadt lautet schließlich Hafen der Vielfalt.

Auf Damir Steinfl (43) bin ich über das Projekt comiXconnection gestoßen, das in Berlin im Museum für Europäische Kulturen noch bis Sommer 2021 zu sehen ist. Die Ausstellung spürt der hierzulande eher unbekannten Comic-Szene Südosteuropas nach. Zu sehen sind Werke von Künstlern aus Serbien, Kroatien, Slowenien, Bosnien & Herzegowina sowie Ungarn und Rumänien.

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